Lupercalia

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04.02.2019 15:56

Einen Lorbeerkranz zur Lichterfest-Premiere  

Mittlerweile hat es Tradition in Oberriexingen – das römische Lichterfest, das alljährlich in diesen Tagen rund um den Römerkeller gefeiert wird und bei milden Temperaturen in der Tat Hoffnung auf den Frühling machte. Am Sonntag bildete es zudem den würdigen Rahmen, um Bürgermeister Frank Wittendorfer bei seiner Lupercalia-Premiere mit Lorbeerkranz und passendem römischen Namen zu ehren.  

Los ging es wie immer mit einer „gespenstischen“ Führung durch das kleine Römermuseum und den sich anschließenden, gut erhaltenen Keller der Villa Rustica aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. In Tuniken gehüllt konnte sich der Nachwuchs mit Taschenlampen auf Spurensuche begeben und gemeinsam mit Gutsverwalterin Cornelia Karow die diversen Gottheiten und die im Vergleich zu heute doch recht unterschiedliche Lebensweise der antiken Vorbesitzer erkunden. Anschließend rüsteten sich die Kinder mit Fellstreifen aus, um sich in kleine Luperci – Wolfsabwehrer – zu verwandeln. Schließlich galt es, beim Kultfest der antiken Hirtengemeinde unter den Augen Jupiters, der von seiner Säule in der Weilerstraße das Geschehen mitverfolgte, die Dämonen der dunklen Jahreszeit zu vertreiben. Dazu bekam jedes Kind zunächst einen Klecks Ketchup-„Blut“ auf die Stirn getupft, was nach dem Wegwischen mit Milch zu herzhaftem Lachen berechtigte. Dann durften die jungen Hirten beim Lauf um das Feuer mit ihren Ziegenfellstreifen auf die Hände der umstehenden Besucher schlagen, um sie von allem Übel zu reinigen und zu neuem Leben zu erwecken. „Das Blut symbolisiert das Alte, Dämonische. Es stammte von einem Bocks- oder Ziegenopfer für den Wald- und Hirtengott Faunus, das ursprünglich am Fuße des römischen Palatins dargebracht wurde. Milch und Lachen stehen für das im Frühling Wiedergeborene. Mit dem Lachen waren die Luperci selbst von Dämonen befreit und so zur leibhaftigen Vegetationskraft des Gottes Faunus geworden“, erklärte die Historikerin diesen besonderen Ritus. Auch wenn in Oberriexingen kein Bock sein Leben lassen musste, so wünschten sich die Teilnehmer der Lupercalia doch ebenfalls ein baldiges Frühlingserwachen und unterstrichen diesen Wunsch mit einem weiteren Reinigungsritual: Sie ließen auf der Dürren Enz kleine Lichter schwimmen, um die Geister des Winters jenseits der Stadtgrenzen zu befördern. In diesem Zusammenhang verwies Cornelia Karow auf ähnliche Bräuche. So dienten beispielsweise die Rutenschläge der Maskierten bei den Fastnachtsumzügen ebenfalls dem Wiedererwecken der inneren Lebensgeister und seien somit vergleichbar mit den Schlägen der Luperci mit der Lebensrute. Auch das keltische Imbolc, das am 1. Februar gefeiert wurde, sei ein Reinigungsfest mit Feuer und Götteropfern gewesen. Schließlich sei der Wechsel der Jahreszeiten mit hellen und dunklen Zyklen jährlich gleich und die Angst vor Unheil sowie die Suche nach Schutz sei über Jahrtausende und viele Kulturen hinweg ein bleibendes, menschliches Bedürfnis. 

Doch bevor auch der letzte Dämon vertrieben war und die duftenden Mostbrötchen aus dem Römerofen zum Verzehr einluden, wartete noch eine ganz besondere Zeremonie auf die Festgäste. „Wir sind hier, um Lupercalia zu feiern, aber auch, um unserem Dominus und Duumvir, Besitzer der römischen Villa Rustica und Bürgermeister von Riexingen Superior, Matthias Julius Lepidus Pertinax,  den Lorbeerkranz zu überreichen“, proklamierte die Gutsverwalterin. Der Lorbeerkranz sei die höchste römische Auszeichnung, die eigentlich nur einem erfolgreichen Feldherrn zustehe, der bei wenigen eigenen Verlusten in einem Eroberungskrieg mindestens 5000 erschlagene Feinde vorzuweisen habe. „Bei uns tritt an diese Stelle die große Wahlbeteiligung und das hohe Wahlergebnis des Volkes. Nicht die kriegerischen Erfolge zählen, sondern die zivilen. Dass hier keine Vorschusslorbeeren übergeben werden, zeigen die bisherigen Leistungen und Planungen. Selbst für den 2000 Jahre alten Römerkeller ist eine umfassende Renovierung in Vorbereitung. Auch wenn die römische Villa Rustica nicht wieder in ihrer alten Größe aufgebaut wird.“ Mangels fehlendem Wagen wurde bei der Würdigung allerdings auf den ehemals üblichen Triumphzug verzichtet und dem zu Ehrenden der goldene Kranz lediglich mit dem Ausruf „Io (Jupiter) triumpe!“ auf’s Haupt gesetzt – verbunden mit der einstigen und immer noch gültigen Mahnung: „Blicke hinter dich, und vergiss nicht, dass du nur ein Mensch bist.“ Auch was es mit dem neuen Namen auf sich hat, verriet Cornelia Karow noch am Ende. Römische Bürger hätten gewöhnlich einen dreiteiligen getragen, um sich von den Nicht-Römern abzusetzen. Der Vorname „Matthias“, den Frank Wittendorfer als Zweitname von seinen Eltern erhielt, verweise auf eine hebräische Abstammungslinie. „Julius“, sein Nachname stamme von dem bekannten Imperator Gaius Julius Caesar, der viele Menschen frei gelassen habe, die sich dann nach ihm benannt hätten. „Pertinax“ drücke seine Beharrlichkeit aus und „Lepidus“ kennzeichne ihn als charmant. „Diese Mischung prädestiniert ihn für sein Amt und ist grundlegend für seinen positiven Führungsstil“, betonte die Historikerin. „Ich bin mir der Ehre, aber auch der Verantwortung bewusst“, bedankte sich der Ausgezeichnete und wünschte seinen Bürgern „Valeatis et gaudete – gehabt euch wohl und freut euch!“

Mit freundlicher Genehmigung der VKZ - Vera Gergen